Taschenbuch, 148 S., GEGEN_KULTUR Verlag (2011), Autor: Thomas Rahmann
Thomas Rahmann schreibt in seinem ersten Buch über die Psychiatrie und alltäglichen Wahnsinn. Er sucht nach Sollbruchstellen der Welt um sie zu zertrümmern. Eine Kurzgeschichte ist jeweils die Einführung in jedes der vier Kapitel. Mit dem Kapitel „psychatrie“ beginnt das Buch und die Leser_innen gewinnen einen Eindruck der Rahmenbedingungen unter denen das Manuskript zu großen Teilen entstanden ist. Das zweite Kapitel „krieg“ umfasst 47 Gedichte und ist damit das größte. Uns begegnen Obdachlose, Soldaten und Reisende, die alle ihren Krieg austragen. „identität“ umfasst 10 Gedichte die sich um die Sinnsuche und das eigene Ich sammeln. Den Abschluss des Buches bildet das zweitgrößte Kapitel „mauern“.
Eine Leseprobe:
Er kennt nichts. Erkenntnis.
Ich begann mich allmählich zu hassen,
jeder Satz aus mir roch faul. Ich bat
den Psychiater mich prüfen zu lassen,
doch er gab mir Tabletten statt Rat.
Oh, ich hasse die fordernde Geste,
aus der ich mir das Leben erhoff.
Meine Zunge ist keine verweste,
doch sie ist aus durchlöchertem Stoff.
Ich glaube nicht an gott, darum sende
ich Gebete an die stille Nacht.
Aus dem Hinterhalt habe ich die Hände,
um Gott zu überfallen. Er lacht.
Es hilft mir keine Flucht, ich ertrage,
dass ich teilweise widerlich bin.
Ich erbreche die Träume und frage
weder gott noch mich selbst nach dem Sinn.